Tagungsbericht: "Restaurierung: Eine Geisteswissenschaft?" vom 16. & 17. Mai 2019

Das erste Jahrestreffen des Graduiertenkollegs Rahmenwechsel fand Mitte Mai 2019 in den Räumen der Universität Konstanz statt. Unter der Titel-Frage „Restaurierung: Eine Geisteswissenschaft?“ sollte sich nicht nur der Fächerverbund von Restaurierung und Kunstgeschichte/-wissenschaft genährt werden...

Tagungsbericht: Restaurierung: Eine Geisteswissenschaft?

Das erste Jahrestreffen des Graduiertenkollegs Rahmenwechsel fand am 16. und 17. Mai 2019 in den Räumen der Universität Konstanz statt. Unter der Titel-Frage „Restaurierung: Eine Geisteswissenschaft?“ sollte sich nicht nur der Fächerverbund von Restaurierung und Kunstgeschichte/-wissenschaft genährt werden, der das Graduiertenkolleg Rahmenwechsel auszeichnet, sondern auch internationale und überfachliche Perspektiven auf die Berufspraktiken beider Felder geworfen werden. Die nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in den Medien immer stärker bemerkbare Präsenz der Restaurierung wurde einführend von Karin Leonhard (Universität Konstanz) aufgezeigt.

Einen Einstieg in die polyperspektivische Diskussion lieferten die KollegiatInnen und Assoziierten des Graduiertenkollegs mit einer Gesprächsrunde zu „Restaurierung trifft Kunstwissenschaft“. Diese hatte zum Ziel aus den unterschiedlichen persönlichen Werdegängen der WissenschaftlerInnen und RestauratorInnen des Kollegs zu einer Definition von Restaurierung zu kommen und diese mit der einer Geisteswissenschaft in Verbindung zu setzen.

An diese Verbindung schloss das zweite Panel direkt an. Doris Oltrogge (TH Köln, CICS) berichtete unter der Frage „Was sollte Restaurierung als Wissenschaft sein?“ über ihre praktische Arbeit am Institut für Restaurierung- und Konservierungswissenschaft, und stellte den geisteswissenschaftlichen Anteil in den Fragestellungen der RestauratorInnen heraus. Die Bandbreite und dezidiert englische Variante dieses Berufes erläuterte Aviva Burnstock (Courtauld Institute, London) im darauffolgenden Vortrag „Collaboration: Art and Science“. Die in Deutschland gängige getrennte Arbeitspraxis von KunsthistorikerInnen und RestauratorInnen hebt sich in den Strukturen des Courtauld Institutes auf, was Burnstock an praktischen Beispielen anschaulich vorführte.

Einen Eindruck der traditionellen kunsthistorischen Seite lieferte Nils Büttner zu Beginn des dritten Panels. Anhand seiner Rubensforschung führte Büttner in kunsthistorische Fragestellungen und deren Brisanz für Zuschreibungen und Provenienz vor. In einer daran anschließenden Diskussion zum Terminus „Technical Art History“ konnten viele Punkte der vorherigen Vorträge noch einmal aufgenommen und zusammengeführt werden: Welche Fragen werden in den Disziplinen gestellt, mit welchen Methoden gearbeitet, wo laufen die Disziplinen in der Praxis zusammen? Und was wäre ein angebrachter Begriff für eine eigne Disziplin der wissenschaftlichen Beschäftigung mit- und der technischen Untersuchung und Auswertung von Kunst? Die besondere Zusammenkunft der Tagungsteilnehmer aus unterschiedlichen Institutionen und Ländern bereicherte die Gespräche um praktische Beispiele und konnte auch den Umgang mit Begriffen in der englischen Sprache hinzufügen.

Der zweite Tagungstag begann mit dem vierten Panel, den Volker Schaible (ABK Stuttgart) mit einer historischen Übersicht zu den Anfängen der kunsttechnologischen Forschung eröffnete. Tilly Laaser knüpfte daran an und beschäftigte sich unter „Restaurierung: ein Kind vieler Mütter“ mit der Klassifikation von Wissenschaftsdisziplinen.

Prof. Joanna Woodall (Courtauld Institute, London) eröffnete das fünfte und letzte Panel und gab eine weitere englische Perspektive auf „Conservation and Restoration“, wobei die Bedeutung des Materials besonders herausgestrichen wurde. Den Schlussvortrag hielt erneut Karin Leonhard mit einer Anwendung von Restaurierung und Kunstwissenschaft. Am Beispiel frühneuzeitlicher Spielkarten wurde hier eine Objekt-Betrachtung zwischen den Disziplinen angewandt, die den Diskurs der Tagung bestimmt hatten.

Abgeschlossen wurde die Tagung mit einem Ausflug auf das UNESCO Welterbe Klosterinsel Reichenau, wo die Fresken in der Kirche St. Georg besucht wurden.